Streit um Nettelbeckufer beilegen
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Streit um Nettelbeckufer beilegen

CDU, FW/Piraten und FDP bringen Antrag in Kulturausschuss ein.

Seit einem halben Jahr sorgt die Diskussion um eine mögliche Umbenennung des Nettelbeckufers für Unruhe in der Bürgerschaft. Die Initiative "Decolonize Erfurt" scheint trotz spürbarer Widerstände der Anwohner zu keinem Kompromiss bereit zu sein. Das zeigt auch die letzte Flugschrift, welche letzte Woche am Nettelbeckufer und angrenzenden Straßen verteilt wurde, deutlich. Die Anwohner sollen sich nicht von Michael Hose und anderen "vor den Karren spannen" lassen. Doch die Initiative um Herrn Dr. Urs Lindner verkennt, dass sich die Fraktionen von Anfang an um einen Kompromiss bemüht haben.

Auf der nächsten Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses am 13.10.20 wird eine Drucksache zur Beilegung des Streits behandelt, welche von CDU, Freie Wähler/Piraten und FDP-Fraktion eingebracht wurde. "Wir haben von Anfang an für eine einvernehmliche Lösung geworben, welche auch den Interessen der Bürger vor Ort entspricht", betont Michael Hose, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Wir haben von Anfang an für eine einvernehmliche Lösung geworben, welche auch den Interessen der Bürger vor Ort entspricht

Die Beschlussvorlage sieht vor, eine Informationstafel am Nettelbeckufer anzubringen, welche Nettelbecks Lebenslauf darstellt und kritisch einordnet. Gert Schramm soll mit der Neubenennung einer Straße gewürdigt werden. Darüber hinaus soll versucht werden, auch Projekte im Umfeld des Nettelbeckufers zum Leben und Wirken von Herrn Schramm umzusetzen.

"Wir können die Geschichte nicht ungeschehen machen und sollten sie nicht unter den Teppich kehren. Mit dem schweren Erbe des Joachim Nettelbeck müssen wir verantwortungsbewusst umgehen. Einer Würdigung von Gert Schramm standen wir ebenso nie im Weg, was unser Antrag deutlich zeigt", so Hose weiter.

Dem pflichtet Peter Stampf, Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/PIRATEN, bei: "Die Argumente sind ausgetauscht und im Gegensatz zu den 3 Einreichern des Änderungsantrags haben wir beide Seiten gehört." Befürworter und Kritiker einer Namensänderung waren jeweils zu Fraktionssitzungen eingeladen. "Das verstehen wir unter Beteiligung auf Augenhöhe. Andere Formen wie die Informationsveranstaltungen der Änderungsbefürworter endeten hingegen regelmäßig mit Beschimpfungen und Unterstellungen den Kritikern gegenüber."

Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Thomas Kemmerich stellt klar: "Gute Politik kann nur mit den Bürgern und nicht gegen Sie gemacht werden. Die endgültige Entscheidung wird nun der Ausschuss treffen."

Die von der möglichen Namensänderung betroffenen Anwohner haben sich mehrheitlich gegen eine Umbenennung ausgesprochen. "Die Anwohner haben in den vergangenen Monaten in Eigeninitiative eine Bewohnerbefragung organisiert. Von den 201 zufällig befragten Haushalten haben sich 185 gegen eine Umbenennung ausgesprochen.", erklären Dr. Gerhard Rompf, Angelika Dreier und Dorothea Mülders, die die Befragung mitorganisiert haben.