Nettelbeckufer soll bleiben
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Die Kampagne zur Umbenennung des Nettelbeckufers in Gert-Schramm-Ufer nimmt mit einer Reihe von Veranstaltungen und Publikationen des Vereins „Decolonize Erfurt“ kräftig Fahrt auf. Das kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass das Echo in der Bürgerschaft weit geringer ist als die mediale Präsenz. Eine im März gestartete Onlinepetition an den Stadtrat hat bisher nur ein Drittel der nötigen 1900 Unterstützer gefunden, bei den Anliegern des Nettelbeckufers geht die Zustimmung gegen Null.

Umso intensiver werben die Initiatoren. Dabei lässt sich selbst ein Fachmann wie Peter Reif-Spirek, stellv. Vorsitzender der Landeszentrale für politische Bildung, zu Polemik gegen Kritiker des Vorhabens und historischer Verkürzung hinreißen. So unterstellt er dem Historiker Dr. Steffen Raßloff, vor einer inhaltlichen Auseinandersetzung zurückzuschrecken und stattdessen die Diskussion auf andere Felder abzulenken.

Tatsächlich aber hat Raßloff zu bedenken gegeben, dass man bei lange nicht mehr praktizierten Umbenennungen aus historischen Gründen nicht isoliert vorgehen könne und auch andere Straßennamen prüfen müsse. Diese Haltung teilt die CDU im Erfurter Stadtrat, so Fraktionsvorsitzender Michael Hose: „Die Anwohner wollen keine Änderung. Auch deshalb sollten Straßennamen wie Nettelbeck als kritisch reflektierter Teil der Stadtgeschichte erhalten bleiben. Gert Schramm könnte mit einer Straßenneubenennung gewürdigt werden.“

Fragwürdig sind auch die Versuche Reif-Spireks, Straßen aus der DDR-Zeit mit Namen linksradikaler Arbeiterführer zu beschönigen. Nicht nur ein kommunistischer „Hardliner“ wie Ernst Thälmann, sondern auch die vermeintliche Demokratin Rosa Luxemburg kämpfte gegen den „parlamentarischen Kretinismus“ der Weimarer Republik und strebte mit Gewalt die „Diktatur des Proletariats“ an. Dies ist bei aller persönlichen Tragik der ermordeten Arbeiterführer ebenso wie das Wirken Nettelbecks nicht mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar.